ICOs mischen die Szene auf

Derzeit werden die Auswirkungen von steigenden Zinsen breit diskutiert. Neben den bekannten Kryptowährungen profitieren auch ICOs von der Nullzinspolitik der Notenbanken. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit begeistern sich immer mehr Anleger für diese immer zahlreicher werdenden Initial Coin Offerings. Vor allem Startups oder junge Unternehmen finanzieren damit ihre Internet-Projekte. Grob vergleichbar sind ICOs mit IPOs an einer Börse. Mit dem Börsengang wollen auch die frisch börsennotierten Unternehmen ihre geschäftliche Expansion finanzieren und vorantreiben. Investoren hoffen durch die Beteiligung an diesen Firmen, später Kursgewinne zu erzielen.

ICOs werden häufig Usern und Investoren angeboten, die für ihr Geld Tokens bekommen, die unterschiedlich eingesetzt werden können. Die meisten der bisher in Deutschland angebotenen Tokens sind Zahlungsmittel für die jeweilige Anwendung und werden daher als Utility Token bezeichnet. Die Nähe zu bekannten digitalen Währungen wie etwa Bitcoin ist auffällig, wobei zahlreiche Tokens zum aktuellen Zeitpunkt nur innerhalb der angebotenen Anwendung genutzt werden kann. Die Tokens werden wie ihre großen Brüder Bitcoin, Ethereum oder Ripple in einer Wallet, also einem digitalen Portemonnaie verwahrt und können nach ihrem Listing an einer Krypto-Börse ähnlich wie Aktien gehandelt werden.

Verschiedene ICOs

Das Vorgehen ist dabei meist wie folgt: In einem Pre-Sale wird ein Teil der geplanten ICO-Emission zu einem Discount risikobereiten Investoren angeboten. Hierzulande hat sich ein Abschlag von 30 Prozent eingebürgert. Kurze Zeit, meist wenige Wochen, später kommt es zum Main-Sale, wo die Mehrheit der Tokens der Emission verkauft werden. Die Zahl der Tokens ist begrenzt. Vor einer Woche war der Pre-Sale des Unternehmens savedroid innerhalb von sieben Stunden ausverkauft und auch andere ICOs von deutschen Unternehmen waren ein Erfolg. So hat die Naga Group mit ihrem ICO im Dezember 40 Millionen Euro eingenommen. Das ICO von Envion wurde wegen starker Nachfrage vorzeitig beendet. 100 Millionen USD nahm Envion dabei ein. Welche Unternehmen und Projekte stecken hinter den ICOs?

Savedroid, deren Main-Sale vom 9. Februar bis zum 9. März läuft, bietet eine Spar-App an, in der künftig das Sparen von Kryptowährungen möglich sein wird. Bisher können Eurobeträge mit der App sparen, die bisher mehr als 200.000 Mal heruntergeladen wurde. Savedroid ist das erste ICO einer deutschen Aktiengesellschaft nach deutschem Recht und Regulierung. Das Ziel, so savedroid-Chef Yassir Hankir, besteht darin, den Kauf oder das Sparen von Kryptowährungen simpler zu gestalten: „Die Anmeldung zu einem Wallet oder einer Krypto-Börse, um Bitcoin & Co. zu kaufen und zu handeln, ist bisher sehr komplex. Wir wollen mit unserer App diese Vorgänge radikal vereinfachen, also eine Investition in Kryptos so eingach zu gestalten wie ein Sparbuch“. Wie bei anderen ICOs sind die Zahl der begebenen Tokens begrenzt, eine weitere Gemeinsamkeit mit digitalen Währungen. Savedroid geht sogar einen Schritt weiter und begrenzt nicht nur die Zahl der Tokens, sondern vernichtet sie je nach Nutzung.

Unterschiedliche Projekte

Bei der börsengelisteten Naga Group wird ein Großteil der Einnahmen aus dem ICO zur Vermarktung der Social Trading-App „SwipeStox“ verwendet. Anleger können mit dieser Anwendung anderen Anlegern folgen und ihre Tradingstrategien oder einzelnen Trades kopieren. Ziel ist es, auch den Menschen, die kein Bankkonto haben,  einen Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen. Das ist etwa bei zwei Milliarden Menschen auf der Welt der Fall. Wysker bietet eine Einkaufs-App an, mit der Interessierte in zahlreichen Online-Shops stöbern können. Auf der App, die nach dem ICO downloadbar ist, sollen mehr als 50.000 Produkte aus mehreren 100 Online-Shops begutachtet werden können. Entscheidet sich der User für ein Produkt, kann er den Shop „betreten“. Das Startup Envion stellt mobile Mining Container her, um energieeffizient Kryptowährungen zu schürfen. Da das Minen von Kryptos sehr energieintensiv geworden ist, kann mit diesen Containern dort geschürft werden, wo es ungenutzte Energiemöglichkeiten gibt. Ziel ist es erneuerbare Energien zu nutzen, allerdings dürfte das nach Unternehmensangaben schwer vollständig zu erreichen sein. Über den ausgegebenen Token soll die Herstellung und Infrastruktur für die Container finanziert werden. Im Gegensatz zu reinen Utility-Tokens sind die Inhaber der Envion-Tokens auch am Gewinn mit den Mining-Containern beteiligt.

Noch einen Schritt weiter geht derzeit das Berliner Start-Up Bitwala. Sie bereiten einen sogenannten Equity-Token vor, mit dem Anleger sich an dem Unternehmen beteiligen können. Bitwala bietet Zahlungs- und Finanzdienstleistungen mit Kryptowährungen an. Daher wird das Unternehmen vor dem Equity-ICO von der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin geprüft, weshalb der ICO noch etwas dauern könnte. Anleger, die sich bei deutschen ICOs engagieren wollen, sollten aber nicht nur die Chancen sehen, sondern sich auch über die Risiken bewusst sein, denn ICOs sind Risikokapital und der Discount von 30 Prozent wird nicht ohne Grund gewährt.

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